-Willkommen in der Wildpflanzenschule- Fortbildungen und Kurse in Heilpflanzenkunde und Wildniswissen

Liebe Wildpflanzenfreunde, 

schön euch hier begrüßen zu dürfen. Nachfolgend eine aktuelle Übersicht. Weiterführende Links sind grün markiert, einfach drauf klicken.

Wir freuen uns darüber langsam und sicher* mit unserem gewohnten Programm wieder los legen zu können und sind ab Juni wieder ganz für euch da.
Die nächste Kräuterwanderung wird am 13. August außergewöhnlich abenteuerlich. Entdeckt mit uns die vielfältige Kräuterwelt unserer Gewässer auf der Bachkräuterwanderung.
Am 15. August beginnen wir mit den Heilpflanzen-Seminaren in den Gödenrother Gärten (PerNaturam).
Und am 21. August findet eine kleine Kräuterwanderung  in Sevenich statt.

Viel Spaß beim Stöbern wünscht euch

Maria Salomé Hoffmann

*(mit den gebotenen Maßnahmen die Covid-19 mit sich bringt)

Unterricht im Bärlauch

 

Und hier geht es weiter mit dem
Wildpflanzenblog

Heute für euch im Portrait “Wermut gleich mehr Mut”

Wermut  Artemisia absinthium
Korbblütler / Asteraceae

Wermut  immer wie mit Mondlicht übergossen. Ich kann ihn in stockfinsterer Nacht, ohne zusätzliches Licht, im Kräuterbeet finden. Kein Wunder haben ihn doch auch schon die Menschen in der Antike zu den sogenannten Mond-Kräutern gezählt. Im Kräutergarten wächst er auch in unseren Breiten am wahrscheinlichsten. In der freien Wildbahn begegnen wir ihm selten. Hier und da mal in einem Weinberg oder in einem verwilderten Garten. Wermut ist aus meiner Erfahrung eine Pflanze die Hilft die körperliche so wichtige Tätigkeit der Verdauung zu unterstützen aber genauso kann er helfen all das zu verdauen was uns seelisch schwer im Magen liegt. Hildegard sagt er macht die Augen klar und meint damit den grauen Star. Ich habe auch schon erlebt das er die Sicht auf die eigene kleine Welt klärt, das Herz stärkt und den nötigen Mut schenkt Situationen zu erkennen und zu verlassen die uns nicht mehr gut tun. Der Wermut schenkt mehr Mut!

 

Inhaltsstoffe
Bitterstoffe (Absinthin), Gerbstoffe, ätherisches Öl (Thujon, Thujol, Phellandren), Bernsteinsäure, Mangan, Kalisalze, und Artemesin

Eigenschaften
harntreibend, fiebersenkend, schweißtreibend, keimtötend, menstruationsfördernd, magenstärkend, gallewirksam, leberanregend, blutstillend und wurmwidrig

Wermut unterstützt die Heilung bei
Magen-Darmproblemen und Appetitlosigkeit, Verdauungsprobleme wie zum Beispiel Durchfälle, Völlegefühl, Sodbrennen und Verdauungsschwäche, Mundgeruch, Wurmbefall, Hautproblemen, Gelenkerkrankungen wie Rheuma, Ekzeme, Unruhe, Infektanfälligkeit (allgemeine Schwäche), Kreislaufstörungen, Unruhe und Melancholie

Galenikas
Tee, Tinktur, Pulver, Wermutwein, Räucherung und Frischsaft

Toxikologie
Nicht während der Schwangerschaft  anwenden. Vergiftungserscheinungen können bei starker Überdosierung auftreten und sind auf die toxische Wirkung des Thujons zurück zu führen. Deshalb wirkt er auch wurmwidrig, wobei die richtige Dosierung hier nicht eindeutig ist.

Im Vergleich: links Beifuß und rechts Wermut


Mythologie
Wermut und Beifuß wurden in der griechischen Mythologie als heilige Kräuter der Artemis geweiht. Artemis ist die Göttin der Jagd, der Frauen und des Mondes. Die magischen Kräuter der Artemis wurden traditionell bei Mondschein gepflückt und getrocknet. Sie wurden meist geräuchert um Krankheiten zu vertreiben und um in die Zukunft zu schauen.

Wissenswertes
Bis zum Ende des 19. Jhdts. war Wermut in manchen gesellschaftlichen Kreisen, bei Soldaten und Künstlern sehr beliebt. Das im Wermut enthaltene ätherische Öl Thujon wirkt zentral-erregend und erhöht die geistige Aktivität und Kreativität. Wegen Alkohol-Missbrauch und vermehrter Abhängigkeit wurde der starke, alkoholische Trank, mit dem Namen Absinth, für lange Zeit verboten.

Der Wermut ist wegen seiner Heilkräfte seit Jahrtausenden eine geschätzte Heilpflanze.
Im Mittelalter wurde der Einsatz als Heilpflanze unter anderem von Hildegard von Bingen ausführlich beschrieben. Aus ihrer Überlieferung stammt auch folgendes Rezept.

Wermutwein oder Maitrunk
Mit Hildegards Worten – Wenn der Wermut frisch ist, dann drücke der Mensch den Saft aus und er koche mäßig Wein mit Honig, und gieße jenen Saft in den Wein, dass der Saft an Geschmack Wein und Honig übertrifft. Dies trinke der Mensch nüchtern und kalt an jedem dritten Tag, von Mai bis Oktober. Der Nierenschmerz und die Melancholie werden vergehen und es macht die Augen klar, stärkt das Herz und lässt nicht zu das die Lunge erkrankt. Es wärmt den Magen, reinigt die Eingeweide und bereitet eine gute Verdauung.

Zutaten
1 L Weißwein
40 ml Wermutsaft
150 g Honig

Den Wermut Anfang Mai sammeln und durch eine Saftpresse pressen. Alternativ auch im Mörser zerkleinern und durch ein Tuch seihen. Den Wein erwärmen und den Honig darin auflösen. Einmal kurz aufkochen lassen. Den Wermutsaft nicht über 69 Grad erhitzen. Also etwas warten aber noch warm zusammenfügen und in sterilisierte, dunkle Flaschen füllen, ( alternativ können die Flaschen auch dunkel gelagert werden) am besten im Kühlschrank aufbewahren. Sollte sich nach zwei Tagen viel Absatz bilden, dann einmal gut Filtern. Von dem Maitrunk jeden dritten Tag 25 ml auf nüchternen Magen trinken. Menschen mit empfindlichen Magen trinken ihn kurz vor dem Mittagessen.

Für eine Kur von Mai bis Oktober, werden drei Liter Wermutwein benötigt.


©Copyright:  www.wildpflanzenschule.com – Maria Salomé Hoffmann

 

 

Heute für euch im Portrait

Weiße Taubnessel Lamium album
Lippenblütler / Lamiaceae

Die Weiße Taubnessel ist weit verbreitet. Wir finden sie auf Schutt, an Wegen, Zäunen und in Gebüschen. Auf denersten Blick hat sie Ähnlichkeit mit der BrennNessel von der sie wohl ihren Namen hat. Als Kind habe ich mir einen Spaß daraus gemacht, die nicht stechende (also taube Nessel) und noch nicht blühende Taubnessel zu pflücken und mir zum Zeichen meiner vermeidlichen Tapferkeit, damit durch Gesicht zu streichen. Die Spielkammeraden dachten es sei die BrennNessel und staunten nicht schlecht. Insgesamt ist die Weiße Taubnessel weich, anschmiegsam und ein wunderbares Vorzeigeobjekt um die 5 Merkmale der Lippenblütler zu veranschaulichen. Denn alle Lippenblütler sind genießbar! Und da es in der Natur nur wenige solch universale Regeln gibt, ist es wertvoll sie zu kennen.

 

Die 5 Merkmale der Lippenblütler
1. kreuzweise- gegenständig angeordnete Blätter
2. Lippenblüten (bestehend aus Zunge und Dach mit Staubfäden)
3. Blütenquirle in den Blattachsen (bleiben übrig wenn die Blüte verblüht)
4. ein vierkantiger Stängel
(5.) ein hohler Stängel (nicht immer der Fall)

 

Inhaltsstoffe
Saponine, Schleim, Gerbstoffe, ätherisches Öl, Flavonglykoside, Histamine und Cholin

Eigenschaften
schleim- und krampflösend, schmerzlindernd entzündungshemmend, milzunterstützend und  blutreinigend

Weiße Taubnessel unterstützt die Heilung bei
Katarrhe der oberen Luftwege, Entzündungen von Mund- und Rachenschleimhaut
Magen-Darm-Beschwerden, Frauenleiden (Weißfluss), Blasenlähmung, Schlafstörungen bei älteren Menschen und zur Wundheilung

Galenikas
Tee, Kräuterwein, Frischpflanzen-Verreibung, Waschungen/Spülungen und Umschläge

Mythologie
Die Taubnessel soll als ein Kraut gegen Gefahren aller Art als Kranz um den Hals getragen worden sein. Und wer sie so einem Rind um den Hals legt, dem soll das Rind überall hin folgen.

 

Signatur
Die Weiße Taubnessel ist besonders gut für Frauen die Beschwerden des Urogenitaltraktes haben. Sie steht mit ihren schneeweißen Blüten und dem sanftgrünen Blattwerk für die besänftigenden Kräfte der Frauen. Die weiße Farbgebung der Blüten können wir  als Signatur für die Behandlung von Weißfluss lesen.

Wissenswertes
Die Weiße Taubnessel auch Honigblume oder Heiternessel genannt beschreibt Hildegard von Bingen in ihrer Wirkung so: Wer sie genießt, lacht gern, da ihre Wärme auf die Milz einwirkt und so das Herz erwärmt.“

Im alten China war die Taubnessel das Kraut für die Mütter.
Sie sprachen von ihr als „Kraut der lächelnden Mutter“.

Die Weiße Taubnessel ist eine wichtige Nahrungspflanze für Hummeln und Ameisen. Wenn wir die weißen Blüten aussaugen kommen wir in den Genuss von reinem Nektar.

Wildpflanzenküche
Da Taubnessel vom Geschmack genau so wunderbar sanft ist, wie ihre Blätter sich anfühlen und einen sehr hohen Gehalt an Chlorophyll hat, können wir sie wunderbar frisch für allerlei Rohkostspeisen her nehmen. Aber auch herzhaft in Ausbackteig, Suppen, Saucen, Füllungen und als Spinat macht die Taubnessel jedem Wildpflanzenfreund Freude. Ihr leichtes Champion-Aroma passt zu dem hervorragend zu allerlei Eierspeisen.

Rezept – Taubnesselblütensirup
6  Handvoll frische Blüten (oder getrocknet 3 Handvoll) in ein großes Gefäß geben und einen Liter lauwarmes Wasser hinzu. Einen Tag so ausziehen lassen. Abseihen und auf 1 Liter Flüssigkeit, 1 Kilo Zucker und 20 g Zitronensäure geben. Kurz aufkochen und rühren bis sich alles gut gemischt hat. In dunkel Gläser füllen. Etikettieren. Kühl gelagert bis zu einem Jahr haltbar. Verdünnt und gekühlt genießen mit Sprudelwasser oder Sekt. Dies ist das klassische Siruprezept und gelingt genauso mit den Blüten von: Holunder, Rose, Schlehe, Löwenzahn, Gänseblümchen und Mädesüß um nur paar Beispiele zu nennen. Schön sind auch die Blätter von  Minze und Melisse.
Anmerkung: Wer einen Sirup mit Honig statt Haushaltszucker zubereiten mag, schlägt hierfür das Kräuter-Honig-Rezept im Kapitel Thymian zu rate.



©Copyright:  www.wildpflanzenschule.com – Maria Salomé Hoffmann

 

Heute für euch im Portrait

Der Giersch

Aegopodium podagraria
Doldenblütler / Apiaceae

Giersch ist eine der “beliebtesten” Kräuter im Garten. Wir würden zumindest gut daran tun würden wir es so sehen. Denn Giersch kommt nicht nur in regelrechten Mengen vor, er kann auch wunderbar und verträglich in großen Mengen gegessen werden. Die jungen Blätter schmecken mild nach Möhre (er gehört zur gleichen Familie) und ergänzen spielend leicht Suppen, Salate, Eintopf und Kräuterquark  um wertvolle Mineralstoffe und Vitamine. Er wird am besten frisch verwendet.

Inhaltsstoffe
Chlorogensäure, Cumarine, Flavonolglykoside, Isoquercitrin, Kaffeesäure, Kalium, Phenolcarbonsäuren, Vitamin C und Mineralstoffe

Giersch unterstützt die Heilung bei
Gelenkproblemen, Verdauungsschwäche,  Verdauungsproblemen, regt insgesamt den Stoffwechsel an, bei Rheuma, Gicht, harntreibend, BlasenentzündungenDurch seinen hohen Kaliumgehalt unterstützt er die Ausschwemmung von Harnsäurekristallen in den Gelenken.

Galenikas
Tee (Kaltauszug), Verreibung, Tinktur und Frischsaft

Signatur
Der Name (Aegopodium) leitet sich aus den griechischen Wörtern für Ziege und Füßchen her, wegen der einem Ziegenfuß ähnelnden Kronblätter.

Nach der mittelalterlichen Signaturenlehre ist Giersch deshalb für die Behandlung von Gicht in Füßen geeignet.

Dem Giersch wird Lebensfreude zugeschrieben. Sein Optimismus ist unbändig und absolut lebensfroh.

Mythologie
Giersch zählt zu den neunerlei Kräutern (die vor allem an Gründonnerstag gesammelt und gegessen wurden) Diese Kräuter wurden gesammelt, fein gehackt mit Kuhfleisch, Mettwurst oder Speck unter Beigabe von Hafergrütze oder Mehl gekocht. Die Suppe verleihe einem Kraft und Stärke für das ganze Jahr.

Gierschlimo
1 Bündel junge Gierschblätter, 1 Ranke Gundermann, 1 Stängel Minze, 1 Liter Apfelsaft, 1/2 Flasche Mineralwasser und eine Zitrone.
Die Kräuter zum Strauß binden und ein wenig andrücken.  Am Faden in den Saft hängen und kühl ein paar Stunden aber mindestens 3 h ausziehen. Dann mit Mineralwasser aufgießen und mit Zitronensaft und Scheiben servieren. Schick ist auch das Glas mit einem Gierschblatt zu verzieren.

Viel Freude damit
Eure Maria Salomé Hoffmann

Heute für euch im Portrait

Die Vogelmiere

Stellaria Media       
Nelkengewächse / Caryophyllaceae

Inhaltsstoffe
Saponine, Mineralstoffe (viel Kalium) Vitamine, Phosphor, reichlich Chlorophyll, ätherisches Öl und Gerbstoffe

Die Vogelmiere ist überall dort anzutreffen wo der Boden nicht gänzlich austrocknet.
An Waldrändern, auf Wiesen unter Büschen. Hat sie einen Platz gefunden an dem sie sich wohl fühlt, vermehrt sie sich ausgiebig. Ihre vielen kleinen gelblichen Samen kann sie bis drei Mal im Jahr produzieren und sie sind 60 Jahre keimfähig. Ich bin so vernarrt in dieses nach jungem Mais schmeckende Vitaminbömbchen, dass ich mich täglich zusammen mit den Hühnern daran vergehen mag. Sie gehört zu den Pflanzen die man unbedingt einmal unter der Lupe angeschaut haben sollte. Sieht man die winzigen weißen Blüten vergrößert, fällt ihre Schönheit erst richtig auf. Auch der Stängel hält eine Überraschung für den Betrachter bereit. Er ist nur einseitig behaart. Wie hier unten rechts im obigen Bild zu sehen. Daran lässt sich die Vogelmiere gut erkennen.

Eigenschaften
auflösend, schleimlösend, antiviral, harntreibend, ausleitend, hustenstillend, juckreizmildernd, bluterneuernd, herzstärkend

Vogelmiere unterstützt die Heilung bei
Husten, Nieren- und Blasenleiden, Hautkrankheiten (Innerlich und Äußerlich anwenden) wie zum Beispiel Schuppenflechte, Neurodermitis und Ekzemen, rheumatischer Arthritis, Leberreitzung (frischer Pressaft), Lymphdrüsen Erkrankungen und Lungenentzündungen bei Kindern nach Pfarrer Künzle, schlecht heilende Wunden, Unterstützend bei Diäten,

Galenikas
Tee, Frischsaft, Bäder, Auflagen, Heilöl und Salbe

Tee
2 Teelöffel des frischen Krautes mit 1 Tasse kochendem Wasser übergießen und 5-10 Minuten ziehen lassen. 2 Tassen pro Tag.

Heilöl (Kaltmazeration)
Ein helles Schraubglas wird mir gut zerkleinerter Vogelmiere bis unter den Deckel locker gefüllt und dann mit einem guten Olivenöl übergossen. Alle Pflanzenteile sollen bedeckt sein. Für 2-3 Wochen auf die Fensterbank in die Sonne. Ab und an kurz den Deckel lüften und regelmäßig schütteln. Wenn die Pflanzenteile ausgelaugt sind abseihen, etikettieren und kühl und dunkel aufbewahren. Oder weiterverarbeiten zur Salbe. Siehe Salbenbasisrezept.


Smaragd – Öl

Dieses wunderschönem grüne Öl vereint die Heilkräfte von Beinwell, Breitwegerich und Vogelmiere zu einem Allrounder bei Hautproblemen. Es ist immer einen Versuch wert.
Beinwell, Breitwegerich und Vogelmiere zu gleichen Teilen werden wie oben beschrieben angesetzt. Wer dem Öl noch einen zusätzlichen Heilimpuls geben mag. Der kann ätherisches Öl vom Berglavendel (Lavendel Extra) und öllösliches Chlorophyll hinzugeben. Auf 250 ml 10 Tropfen Lavendel und Chlorophyll bis ein sattes Grün erreicht ist.

Geschichtliches
Kneipp war es der die Vogelmiere in den Kreis der heilenden Pflanzen aufnahm. Die Volksmedizin kannte sie nicht als Heilpflanze oder ihre Anwendung war zu alltäglich.

Tipp
Bei allen schönen Galenikas die wir aus ihr gewinnen können ist sie in erster Linie eines der feinsten Wildgemüse. Frisch und regelmäßig genossen kann sie eine gute Prävention bei allen oben genannten Beschwerden darstellen. Deswegen ran an den Sammelkorb und los geht´s.

Bemerkenswertes
In England heißt sie auch Chickweed – was so viel wie Hühnerkraut bedeutet. Auch der deutsche Name weißt uns darauf hin, dass Vögel und Hühner das zarte Kraut sehr schätzen. Es hält sie gesund.

©Copyright:  www.wildpflanzenschule.com – Maria Salomé Hoffmann